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Unikum am Strand:

Der hölzerne Turm der Wasserwacht auf dem Priwall

Travemünde 28.07.2007 | Der Schlafkomfort kommt auf die körperlichen Ausmaße an: Der hölzerne Wachturm des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) läuft nach oben hin spitz zu, mit jeder Etage werden die Betten kürzer. »Ab 1,90 Meter merkt man das schon«, erzählt Jan Wnent, stellvertretender Leiter der Wasserwacht am Priwall-Strand.

Das »Quad«, ein vierrädriges Motorrad, gehört seit zwei Jahren zur Ausrüstung der DRK-Wasserwacht. Willi Schulz aus Lübeck ist damit im Notfall schnell am Einsatzort auf dem weitläufigen Strand. Foto: HELGE NORMANN
Das »Quad«, ein vierrädriges Motorrad, gehört seit zwei Jahren zur Ausrüstung der DRK-Wasserwacht. Willi Schulz aus Lübeck ist damit im Notfall schnell am Einsatzort auf dem weitläufigen Strand. Foto: HELGE NORMANN

Im Inneren des urigen Bauwerks scheint sich seit den 50er Jahren nicht viel verändert zu haben, was dem Gebäude einen urigen Charme verleiht. Die Ehrenamtler vom DRK schlafen gern in dem Turm, Betten für 14 Leute sind da. Durch einen offenen Schacht führt eine Holzleiter steil nach oben bis zum Ausguck, dazwischen sind die Etagen mit den Betten untergebracht. Ist ein Schnarcher dabei, haben alle was davon. Aber was stört das, wenn man jung ist wie die meisten Ehrenamtler. Und tagsüber viel Arbeit hat. Die Badenden im Wasser im Blick behalten, den Turm in Schuss halten, die Ausrüstung überprüfen und den Rettungswagen putzen zum Beispiel.

Die »Kojen« im Turm werden kürzer, je höher die Etage. Der Turm läuft nach oben leicht spitz zu. Foto: HELGE NORMANN
Die »Kojen« im Turm werden kürzer, je höher die Etage. Der Turm läuft nach oben leicht spitz zu. Foto: HELGE NORMANN

Zwischendurch schauen Badegäste vorbei mit ihren kleinen und großen Sorgen. Kleine Schnittwunden sind zu versorgen, wenn jemand auf eine Muschel getreten ist. Mal reagiert jemand allergisch auf einen Insektenstich. Ab und braucht auch ein Gast Hilfe, der eins über den Durst getrunken hat und nicht mehr nach Hause kommt. Ein gebrochener Arm kam dies Jahr auch schon vor. Letztes Jahr war mal ein Herzinfarkt. Auch am Strand verloren gegangenes wird gern am Turm abgegeben. Und nicht immer abgeholt: Inzwischen hat sich ein erstaunlicher Fundus an Brillen angesammelt.

Über die hölzerne Treppe geht es nach ganz oben zum Ausguck, wo zwei Arbeitsplätze sind. Foto: HELGE NORMANN
Über die hölzerne Treppe geht es nach ganz oben zum Ausguck, wo zwei Arbeitsplätze sind. Foto: HELGE NORMANN

Erreichbar ist die Wasserwacht im Ernstfall natürlich auch über den Notruf oder über das Telefon im Turm (04502-5111). Nach Dienstschluss wird gegrillt, es gibt Spiele-Abende, die Auswärtigen fahren gern mal nach Lübeck oder man trifft sich mit den Kollegen von der DLRG, die auf der »Landseite« den gleichen Dienst tun. Das Verhältnis zu den Kollegen ist gut, man spricht sich ab, etwa wenn es darum geht, Badevorbote einheitlich auszuflaggen.

Einen Fuß nach dem anderen und immer schön festhalten. Passiert ist noch nie etwas. Foto: HELGE NORMANN
Einen Fuß nach dem anderen und immer schön festhalten. Passiert ist noch nie etwas. Foto: HELGE NORMANN

Ein bisschen Sorgen macht die sportliche Begabung der Kinder am Strand, die spürbar abnimmt. Kinder lernen immer später schwimmen, wenn überhaupt. Umso wichtiger, dass der Turm gut besetzt ist. Ehrenamtler, die meist aus dem Schwimm-Sport zur Wasserwacht finden, sind immer gern gesehen. In der Hauptsaison versehen hier 15 Mann ihren Dienst. Nachwuchs ist immer gern gesehen.

Anja Voss aus Lübeck im Ausguck im Hauptturm: Auch bei wenig Sonne gibt es Badegäste. Foto: HELGE NORMANN
Anja Voss aus Lübeck im Ausguck im Hauptturm: Auch bei wenig Sonne gibt es Badegäste. Foto: HELGE NORMANN

Der Weg zum Strand führt Touristen oft am Turm vorbei. Eine der häufigsten Fragen: »Ist das ein alter Grenzturm?«. Ist es nicht, der Grenzturm ist längst verschwunden. Er stand etwas weiter Strandaufwärts. In der DDR war das übrigens einer der beliebtesten Posten: Der Grenzturm stand direkt am FKK-Strand, und ein Fernglas gehörte schließlich zur Standard-Ausrüstung… HN

Die Badegäste immer gut im Blick. Die Retter sind aber auch auf Infos direkt von den Gästen angewiesen, denn nicht alles lässt sich aus der Ferne gut beurteilen. Foto: HELGE NORMANN
Die Badegäste immer gut im Blick. Die Retter sind aber auch auf Infos direkt von den Gästen angewiesen, denn nicht alles lässt sich aus der Ferne gut beurteilen. Foto: HELGE NORMANN
Im inneren des urigen Turmes geht es steil nach oben. Da gibt es einige Regeln: »Nicht vom Turm runterrufen« und »Nicht mit Schlappen auf die Leiter« zum Beispiel. Foto: HELGE NORMANN
Im inneren des urigen Turmes geht es steil nach oben. Da gibt es einige Regeln: »Nicht vom Turm runterrufen« und »Nicht mit Schlappen auf die Leiter« zum Beispiel. Foto: HELGE NORMANN
Wer schwindelfrei ist, hat einen kleinen Vorteil. Foto: HELGE NORMANN
Wer schwindelfrei ist, hat einen kleinen Vorteil. Foto: HELGE NORMANN
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