Travemünde 01.10.2007 | Unsere Nymphe ist immer für eine Nachricht gut – aber eigentlich ist das eine Untertreibung. Erinnern wir uns, welches Rauschen im Blätterwald in ganz Norddeutschland zu hören war. Welch empörte Worte diese hübsche Maid aus Bronze im örtlichen Handel ausgelöst hat. Also jedenfalls bei einem Teil desselben. Es war was los in Travemünde.

Und wie dann das Blätterrauschen so nach und nach vom Rauschen der Wellen am Ostseestrand übertönt wurde. Das war wohltuend. Eben, sie war einfach da, die Dame – äh, die Nymphe ganz friedlich. Und lieblich für die Einen anzusehen und für die Anderen, na ja. Wind und Wetter trotzte sie mit Bravour. Aber jetzt knirscht es. Sand ist im Getriebe.

»Wo ist denn die Nymphe eigentlich ?« frugen besorgte Spaziergänger. »Die war doch noch – also da bin ich ziemlich sicher – vor einigen Tagen war sie noch da, nicht wahr Karl Eduard!« »Ich sehe sie gar nicht mehr.«

Keine Sorge, sie ist noch da, aber kleiner ist sie geworden und guckt nur mal eben so aus dem Sand. Früher sei da Wasser gewesen. Sie scheint fast wie begraben, und der Stein ist weg. Ist das denn der weiter hinten ? Wie ist so was möglich ? Die Nymphe hätte doch auf einem Stein gesessen und überhaupt, als Nymphe sitzt man auf einem Stein, überall, auf der ganzen Welt. Nicht wahr Karl Eduard. Er nickte still und schwieg. Nun ja, in der Ruhe liegt die Kraft.

Fassen wir zusammen: Erstens ist sie noch da. Zweitens kann man sie – und das ist ja noch nie da gewesen – von vorne ansehen und sogar fotografieren, ohne nasse Füße zu bekommen. Drittens zeigt sie immer noch dem Priwall den Rücken und Travemünde ihr freundliches Antlitz und viertens hat sie mal wieder von sich reden gemacht.

Das steht ihr doch irgendwie zu, bei einer Nymphe mit dieser Vergangenheit. Ja und last but not least fünftens, was den Stein betrifft, der wird über Nacht irgendwann wieder da sein. Das hatten wir doch schon mal! Wetten dass ... ? KEV

Alle Fotos: Karl Erhard Vögele
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