Travemünde 31.05.2008 | Die Taube sitzt ganz oben auf dem First eines Altstadt-Hauses in der Vorderreihe, als Siegfried Hölscher anlegt. Dann knallt es, leise, und die Taube fällt auf den Gehweg. »Räumen Sie die auch weg?« fragt ein Passant wütend. Siegfried Hölscher reagiert gar nicht drauf, er ist solche Angriffe gewohnt. Er greift sich eine Plastiktüte, nimmt das tote Tier vom Weg auf, selbstverständlich. Siegfried Hölscher ist der Stadtjäger von Travemünde.

»Tauben machen soviel Schaden, verbreiten Krankheiten«, erklärt er. Früher wurden die Tiere vergiftet, das ist jetzt verboten. Also zieht der Stadtjäger los. In einem Seitengang hat ein Anwohner 30 Tauben gezählt, zu viele.

Siegfried Hölscher zeigt eine Zielscheibe aus Papier. Bevor er in die Vorderreihe zog, hat er ein paar Probeschüsse gemacht. Auf 20 Meter stehend freihändig. Alle gingen ins Schwarze. Das Gewehr des Stadtjägers hat ein Zielfernrohr und einen Schalldämpfer. Eigentlich ist das ein verbotener Gegenstand, so ein Schalldämpfer, erklärt der 64jährige. Nur Stadtjäger dürfen damit schießen, weil es sonst einfach zu laut ist.

Über 20 Jahre macht er das schon, erst in Lübeck, seit 12 Jahren in Travemünde. Einmal stand ein Rehbock in der Vorderreihe, Ecke Lotsenberg. Den musste er auch schießen. »Den kann man nicht rausleiten«, sagt er. Wohin auch, Natur ist in der Nähe nicht. Nur die Gefahr, dass er vor ein Auto läuft.

Geschossen wird bei den Tauben mit Hohlspitzmunition, die für kleinere Tiere gut geeignet ist. Dem Stadtjäger ist sehr wichtig, dass die Tiere nicht leiden. Tauben sind hart, »die fliegen noch, wenn man nicht sofort das Herz trifft«. Er zielt sehr genau.

Da ärgert es den Jäger natürlich besonders, wenn er von Fällen hört, wo Menschen mit Luftdruckwaffen auf Tiere schießen. Vor zwei Monaten saß eine Taube in der Kurgartenstraße, verletzt. Röntgenaufnahmen zeigten, dass sie »Diabolos«, Bleigeschossen für Luftdruckgewehre und Pistolen, im Körper hatte. Eine Straftat, die Tierschützer zur Anzeige brachten. Davor war schon eine Mantelmöwe an solchen Geschossen verendet. Eine Tierquälerei und gefährlich auch für Menschen.
Wer Probleme mit Tieren in der Stadt hat, ruft die Polizei. Die informiert dann den Stadtjäger. HN

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