Travemünde 16.06.2008 | Es ist schon spät nach Feierabend, als Strandkorbvermieter Dieter Paulsen noch auf dem Priwall einkehrt. Er genehmigt sich noch zwei Weinbrand-Cola, was er später bereut: Beim nächtlichen Kontrollgang, so schildert er es später im Gespräch mit »Travemünde Aktuell«, sieht er Jugendliche, die an seinen Strandkörben zündeln.

Nicht das erste Mal, dass Paulsen mit aufgebrochenen und beschädigten Strandkörben zu tun hat. Er will die Jugendlichen zur Rede stellen. »Da hat mir einer eine Flasche über den Kopf gezogen«, erzählt Dieter Paulsen im Gespräch mit »Travemünde Aktuell«. Er spürt einen heftigen Schmerz, erleidet eine Platzwunde am Kopf. Die Jugendlichen flüchten.
Dieter Paulsen denkt nicht lange nach, er läuft zu seinem Jeep, fährt über den Strand den Jugendlichen hinterher. Diesmal will er einen festhalten, bis die Polizei kommt. Es ist dunkel, die Scheinwerfer sind nicht eingeschaltet. Da kracht es, der Wagen legt sich auf die Seite. Ausgerechnet gegen den Findling mit der Ostsee-Nymphe ist der Wagen gekracht. Die Nymphe bricht von ihrem Sockel ab, ein Arm bricht ab. Paulsen läuft mit angebrochener Nase zum Rettungsturm des Deutschen Roten Kreuzes. Die vier jungen Leute von der Strandwache räumen gerade zusammen, wollen ins Bett, als Dieter Paulsen mit blutverschmiertem Gesicht auftaucht: »Seid ihr noch dienstfähig?«, fragt er, erstaunlich gefasst, und bittet, mit dem DRK-Quad zu helfen.
Zwei DRK-Mitarbeiter versorgen den Strandkorbvermieter am Turm, zwei eilen zur Unfallstelle. Im Auto ist noch die Beifahrerin, leicht verletzt. Das Fahrzeug liegt auf der rechten Seite. Die Beifahrerin steht in dem auf der Seite liegenden Auto, hält die jetzt oben liegende Fahrertür auf. Ein DRK-Helfer hält die Tür geöffnet, so dass sie herausklettern kann.
Schlimmer geht es Pudel »Paula«. Der Hund hat eine Pfote zwischen dem Fahrzeug-Rahmen und dem eingeknickten Seitenspiegel eingeklemmt, kommt nicht weg. Die DRK-Helfer buddeln den Seitenspiegel frei, so dass sie ihn abklappen und den Hund befreien können. Das Tier wird in eine Decke gewickelt. Es hat sich ein Bein gebrochen.
Die Helfer rufen Polizei und Feuerwehr. Da die Travemünder Polizeistation nicht besetzt ist, kommen die Kollegen aus Kücknitz. Und stellen 1,78 Promille fest. Der Führerschein ist wohl weg, der Jeep stark beschädigt. Und die Jugendlichen über alle Berge. Auf eine Anzeige verzichtet Paulsen diesmal, erzählt er, er glaubt nicht an einen Fahndungserfolg.

Die Ostsee-Nymphe wird bei der Wasserschutzpolizei gelagert. Strandkorbvermieter Dieter Paulsen will jetzt mit dem Eigentümer der Figur, der Firma Nymphen-World, Kontakt aufnehmen. Bei der Nymphenworld erfuhr man erst heute Vormittag durch den Anruf von »Travemünde-Aktuell« von dem Unfall. Markus Neuffer zeigte sich sichtlich geschockt, will so schnell wie möglich nach Travemünde kommen, um den Schaden zu begutachten. Ob die Nymphe repariert wird oder neu gegossen werden muss, kann erst vor Ort entschieden werden. TA
Die Original-Pressemitteilung der Polizeidirektion Lübeck zum Fall:
Priwallstrand Betrunkener Autofahrer beschädigt Meerjungfrau-Skulptur. Am späten Sonntagabend, den 15.06.08, überschlug sich gegen 23.15 Uhr auf dem Priwallstrand ein Geländewagen, Fahrer und Beifahrerin wurden leicht verletzt, ein mitgeführter Hund erlitt einen offenen Bruch. Ein 44 jähriger Strandkorbvermieter fuhr mit seinem Daihatsu über den unbeleuchteten Strand und übersah dabei den
dortigen Naturstein mit aufgesetzter Bronzeskulptur. Das Fahrzeug fuhr über den Stein, riss die Statue ab, überschlug sich und blieb auf der Beifahrerseite liegen.
Junge Mitglieder der DRK-Wasserwacht, die im Sommer den Badestrand auf dem Priwall sichern, bemerkten den Unfall, leisteten Erste Hilfe und riefen die Polizei. Der Fahrer war nur leicht verletzt, die 47 jährige Beifahrerin wurde mit einem Rettungswagen zur ambulanten Behandlung in die Praxisklinik Travemünde gefahren.
Wasserschutzpolizisten brachten den verletzten Hund in eine Lübecker Tierklinik. Der Fahrer war angetrunken, ein Alkotest zeigte fast 1,8 Promille an. Die Polizisten ließen eine Blutprobe entnehmen und stellten den Führerschein sicher. Die Skulptur stellt eine Meerjungfrau dar. Sie wurde bei dem Unfall vom Sockel gerissen und beschädigt, die Schadenshöhe ist nicht bekannt. Die Figur lagert derzeit bei der Wasserschutzpolizei Travemünde.



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dem 16.06.2008 aufgerufen.
Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 29.07.2010 um 00:30:58 Uhr.
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Kommentar von Uwe Krüger am 16.06.2008:
Hoffentlich bleibt Travemünde eine neue Nymphe erspart! Eine gute Gelegenheit dieses hässliche Ding zu verschrotten!
Kommentar von Brigitte Bergsch am 16.06.2008:
Hoffentlich wird die Nymphe wieder repariert. Wir erfreuen uns jedes Jahr in unserem Urlaub an diesem Anblick!!!!!!
Kommentar von Rolf Fechner am 16.06.2008:
Spätestens nach Herrn Neuffers verquastem Vortrag »Das Rätsel der Ostsee-Nymphe« vor einigen Monaten im Gesellschaftshaus hofft man, dass uns eine Wiederauflage dieser Statue erspart bleibt.
Kommentar von Rockvee am 16.06.2008:
Ja, kuenstlerisch hatte die O-Nymphe ueberhaupt keinen Wert. Im Gegenteil, sie war ein gutes Exemplar von scheusslichem Kitsch... was dem allgemeinen Geschmack anscheinend zusagt. Vielleicht gibt es in der Gegend einen Bildhauer, der etwas auf Travemuende bezogenes machen kann und keine klebrige Imitation anderer Leute Skulpturen. Tschuess, Rockvee
Kommentar von travemanni am 17.06.2008:
Alkoholisiert am Steuer. Das erscheint mir als das größere Problem gegenüber der Frage, was mit der Skulptur geschehen ist oder geschieht. Nicht gerade selten wird der Strand in der warmen Jahreszeit von Jugendlichen genutzt um eine Nacht unterm Sternenzelt zu verbringen. Die hätte der Fahrer mit ausgeschalteten Scheinwerfern dann wohl auch übersehen. Gut, dass es nur die Nymphe getroffen hat.
Kommentar von Michelle Ullmann am 21.06.2008:
Ich bin Michelle, 10 Jahre alt, und ich finds schade, dass die Nymphe kaputt ist weil ich jeden Urlaub in Travemünde zu ihr gegangen bin. Ich find sie nämlich wuuuunderschön, hoffentlich kann man sie »retten«.
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