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Priwall-Fähre: Wut über Erhöhung der Kfz-Jahreskarten

Verluste für Travemündes Einzelhandel durch Abwanderung der Kundenströme nach Mecklenburg?

Travemünde 30.11.2008 | »Anteile an der Fähre wollte ich nicht erwerben«, schreibt eine TA-Leserin vom Priwall sarkastisch angesichts der Preiserhöhung für die Kfz-Jahreskarten 2009 (TA berichtete). Die sollen von 336 auf 630 Euro steigen. »Will Lübeck den Priwall ausrotten?« Bei den Einzel-Fahrkarten ist eine stärkere Erhöhung kaum noch durchsetzbar. Bei den Jahreskarten wollen die Stadtwerke kräftig erhöhen und verweisen darauf, dass die Karten bislang stark rabattiert gewesen seien (bis zu 80 Prozent).

Spalten die Fähr-Tarife Travemünde? Für den Einzelhandel werden Umsatzeinbußen befürchtet. Foto: ARCHIV TA
Spalten die Fähr-Tarife Travemünde? Für den Einzelhandel werden Umsatzeinbußen befürchtet. Foto: ARCHIV TA

Die Fährpreise wurden seit zwei Jahren nicht erhöht, erklären die Stadtwerke. Die Gehälter vieler Priwaller sicher auch nicht. Spätestens wenn die Kfz-Jahreskarten auf über 1000 Euro steigen wird die Grenze erreicht sein, wo die ersten Menschen das einfach nicht mehr bezahlen können.

Andere Leser vergleichen die Fährpreise mit der Herrentunnel-Maut und prophezeien ähnliche Effekte: Die Erhöhung wird mehr Autofahrer davon abhalten, die Fähre zu nutzen. Die Einnahmen werden dann trotz höherer Preise nicht wie erhofft steigen, weil die Kunden wegbleiben. Übrigens fallen die Kunden dann nicht nur für die Fähre weg, sondern auch für die Einzelhändler auf der Stadtseite: Wer über Dassow fährt, wird eher auch in Mecklenburg-Vorpommern einkaufen. Der Priwall wird vielleicht nicht »ausgerottet«, aber vielleicht von Travemünde abgekoppelt, wenn die Bewohner sich notgedrungen nach Mecklenburg orientieren. Erste Änderungen im Einkaufsverhalten sind bereits eingetreten.

Wut und Verzweiflung auf dem Priwall wachsen: Eine Priwallerin hat sich sogar an den Petitionsausschuss in Kiel gewendet. Als Bürger der Hansestadt Lübeck habe man doch ein Recht auf Einrichtungen des täglichen Bedarfs wie Schulen, Krankenhäuser und Banken. Die seien alle auf der anderen Seite der Trave. Das Schreiben an den Petitionsausschuss bittet, zu Prüfen, ob die Stadt den Priwallern mit Hauptwohnsitz auf der Halbinsel Zuschüsse gewähren müsse. Zuschüsse wurden schon immer mal wieder gefordert und mit den unterschiedlichsten Argumenten abgelehnt, unter anderem mit der »Verdeckten Gewinnausschüttung«. Das ist lange vom Tisch, nun geht es nur noch um den Ausgleich von Verlusten des Fährbetriebs. In solchen Fällen kommt normalerweise auch das Thema Privatisierung ins Spiel. Fraglich ist natürlich, ob ein privater Betreiber andere Preise ermöglichen würde. Eine Privatisierung der Fähre wird vom Aufsichtsrat ohnehin abgelehnt. Auch das war vor Jahren schon mal ein Thema, es gab sogar einen Interessenten. Ein Vertreter der Reederei erklärte gegenüber TA, die Stadt habe den Termin für ein Gespräch damals nur Stunden vorher platzen lassen. Irgendwie muss Lübeck also doch an seinem »Verlustbringer« Priwallfähre hängen... TA


 

 

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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 08.02.2012 um 12:07 Uhr.
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Kommentare:

 

Kommentar von Rudi am 30.11.2008:
Es wird sich vieles ändern, doch leider nicht zugunsten der Priwaller. Dassow und Schönberg ist mit dem Auto gut zu erreichen. Für ältere Menschen ohne Auto eine Zumutung, die keine anderen Möglichkeiten haben und auf die andere Seite müssen. Der Priwall gehört zu Travemünde, wird aber ausgegrenzt. Eine Personenfahrkarte von 50 Euro auf 65 Euro zu erhöhen und das als Bewohner des Ortes wird für viele so nicht hinnehmbar.

Kommentar von Peter Kludas am 01.12.2008:
Kann mir mal jemand erklären, wie der geplante Ausbau des Priwalls (Waterfront) mit den neuen Fährkosten in Zusammenhang zu bringen ist? Eins ist klar, auch 3000 neue Gästebetten bringen dem Priwall keinen eigenen Supermarkt oder sonstige Infrastruktur. Die infrage kommenden Betriebe sehen sich den Priwall zweimal im Winter an und verabschieden sich von allen evtl. Plänen! Wenn ein Gebiet 6 Monate im Jahr brach liegt, kann sich dort kein Geschäft halten. Das gilt übrigens auch für alle angedachten Läden und Gaststätten im neuen Waterfront-Projekt!

 

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