Travemünde 01.02.2009 | Dieses Mal sollte es klappen, den historischen Moment zu fotografieren. Die alten Motoren werden am Haken vom Schiff gehievt und treten nach 10 Jahren emsigen Betriebes ihre letzte Reise an. Wie schon die »Pötenitz« soll auch die »Travemünde« das neue mechanische Antriebskonzept erhalten. Es ersetzt das bisherige immer wieder störanfällige dieselelektrische System. Die SMS kam am Morgen so kurz nach 5 Uhr:« Heute Motoren-Demontage«.



Auf diesen Moment hat »Travemünde Aktuell« schon seit Tagen gewartet. Endlich! Der Wind hatte nachgelassen und die im Fischereihafen liegenden Fischerboote konnten auslaufen. Gleich danach nahm die Fähre »Pötenitz« ihre Schwester seitwärts »auf den Haken« und verholte die »Travemünde« direkt an die Pier. So war es dem Tiedemann’schen Kran möglich, seine Stützen auf einen stabilen Untergrund zu setzten. Dann entwickelte sich alles Schlag auf Schlag. Nichts ging schief, Teamgeist war angesagt. Maschinenbauchef Tiedemann hatte mit seinen Männern alles gut vorbereitet. Keinen Millimeter standen die Mechaniker und Bootsführer des Fährbetriebes dem nach. Öffentlicher Dienst und Privatwirtschaft arbeiten Hand in Hand.



Drei Motoren mit Umformern, jeweils 2 Getriebe und Elektromotoren standen innerhalb kurzer Zeit an Land und wurden bis zum Verkauf auf Lager gefahren. Große Akkus, Schalldämpfer und Steuerschränke folgten. Und ging dann ging es umgekehrt weiter: für die Verstärkung der Spanten wurden Stahlteile in den Schiffsbauch verbracht. Sie sollen verschweißt werden um die Stabilität zu verbessern. So wird der gelegentlichen Schwingneigung bei maximaler Motorenleistung ein Ende gesetzt. Und weil weniger kompliziert, wird es kaum noch technische Störungen im laufenden Betrieb geben. Die bisherige Erfahrung mit dem Umbau der »Pötenitz« ist in jeder Hinsicht gut, weiß Fährchef Gerald Pätzel zu berichten. Nicht nur dass das Schiff durch den Einbau von zwei Schalldämpfern leiser wird, auch 20% weniger Kraftstoff werden die neuen und emissionsärmeren Motoren verbrauchen. Und diese Investition hat sich doppelt gelohnt. Weil diese umweltfreundlicheren Maschinen die alten Aggregate ersetzen, konnte der Fährbetrieb einen satten Zuschuss von 120.000 Euro vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung erhalten.


Wer sich die »Pötenitz« mal genau angesehen hat, dem wir aufgefallen sein, dass ein neuer, größerer Fährstand, so sagen die Binnenschiffer, oder eine größere Brücke, so sagen die Kapitäne an der Küste, den Doppelendfähren aufgesetzt wird. So haben die Schiffsführer nach beiden Seiten bessere Sicht, weil sie immer durch drehbare Sitze und doppelte Steuerinstrumente in Fahrrichtung fahren. Je nach dem, wann der letzten Termin des Umbaues feststeht, der den Unterwasserarbeiten gilt, wird die »Travemünde« Ende März oder Anfang April wieder rechtzeitig im Einsatz sein. KEV

Alle Fotos: Karl Erhard Vögele
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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 08.02.2012 um 10:29 Uhr.
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