Travemünde 24.02.2009 | Immerhin 17 Cent von jedem GEZ-Zahler gehen in den Bürgerfunk. Da kann jeder Einwohner Reporter werden, in manchen Orten werden sogar Fernsehsendungen ausgestrahlt. In Lübeck ist Radio das Medium der Bürger. Der Offene Kanal (OK) ist vor allem für seine Live-Übertragungen der Lübecker Bürgerschafts-Sitzungen bekannt. Jetzt kommt ein Außenstudio nach Travemünde.

Studioleiter Michael Luppatsch und Fritz Toelsner (bekannt vom »Travemünder Journal«) stellten Ende Februar im Gesellschaftshaus das Projekt vor und warben um ehrenamtliche Mitarbeiter für »Radio Travemünde«.

Der Offene Kanal, erklärte Luppatsch, ist ein regionaler Bürgersender. Mit dem Travemünder Außenstudio, das jetzt im Gesellschaftshaus eingerichtet wird, können Bürger aus dem Ostseebad ganz leicht mitmachen. Kostenlos und ohne Verpflichtungen. Der Offene Kanal bietet für Radio-Neulinge drei Seminare an, einmal eine kurze Technik-Einführung, dann wird mit Interview-Führung das Journalistische Handwerkszeug vermittelt und schließlich geht es um die Berarbeitung von Tönen am Computer. Für die jeweilige Radio-Sendung ist dann jeder Reporter selbst verantwortlich, er wird am Anfang und Ende der Sendung namentlich genannt. Man bekommt also praktisch eine eigene Sende-Lizenz. Die Ausrüstung wird gestellt, die Technik ist einfach. Selbst Kinder produzieren beim OK schon eigene Sendungen. Einige Junge Leute, die beim Bürgerradio angefangen haben, sind heute sogar beim kommerziellen Rundfunk unter Vertrag. Aber auch viele ältere arbeiten beim Offenen Kanal mit. Man hilft sich gegenseitig.

Sinn des Bürgerrundfunks ist die politische Bildung: Der Bürger-Reporter spricht mit Menschen, mit denen er sonst vielleicht nicht ins Gespräch gekommen wäre, informiert sich und die Zuhörer. Und auch der Interviewte lernt einen neuen Blickwinkel kennen.

Theoretisch können 450.000 Menschen OK Lübeck empfangen. Ob davon 3.000 oder 30.000 Zuhören, ist nicht bekannt und hängt natürlich auch vom Thema der Sendung ab. Der Sendemast steht in Stockelsdorf. In Travemünde ist der Empfang teilweise etwas abgeschwächt, um auf den Dänischen Klassik-Sender Rücksicht zu nehmen, der auf der gleichen Frequenz sendet. Der Empfang läuft aber auch über das Kabelnetz und als Livestream im Internet. Die Themenvorschläge aus dem Publikum waren vielfältig, reichen von Hörspielen über Bücher-Vorlesen bis zum Politik-Talk.

Geplant ist zunächst, alle 14 Tage eine Sendung zu machen, später jede Woche. Beim Offenen Kanal in Bad Segeberg werden mittlerweile täglich eine Stunde Lokalnachrichten gesendet. Und der OK wird verstärkt wieder auf die Travemünder Woche zurückkehren. Mit ein bis zweistündigen Live-Sendungen von der Passat. Wer mitmachen möchte: Die erste Redaktionssitzung ist am Montag, 16. März, um 18.00 Uhr im Konferenzzimmer des Gesellschaftshauses, Torstraße 1. Info unter Telefon 0451/7050020. TA

Die erste Live-Sendung von »Radio Travemünde« ist am Sonntag, 1. März 2009, von 14.00 bis 16.00 Uhr auf UKW 98,8 Mhz und 106,5 Mhz im Kabel zu hören. Oder als Livestream auf okluebeck.de (Stichwort »Hören«). Thema ist der »Tag der offenen Türen« im Gesellschaftshaus.


TA-Audio: TA-Chefredakteur Helge Normann nutzt die Chance, um erstmal die aufkommende Konkurrenz niederzumachen, spricht mit Ali von den »Travemünder Assis« über dessen Pläne in Radio Travemünde experimentelle Musik vorzustellen und will von Radio-Reporter Fritz Toelsner wissen, wie denn das mit der Haftung bei aggressivem Radio-Journalismus ist...
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