Travemünde/Grevesmühlen 02.11.2009 | Einen spannenden Krimi konnten Beobachter beim Prozess-Auftakt um die so genannte »Ostsee-Nymphe« erleben. Auf der Anklagebank Außendienstmitarbeiter Markus Neuffer, Jahrgang 1978, und seine Ehefrau Kathrin, Jahrgang 1981, Studentin der Wirtschaftspädagogik, Miss Rheinland-Pfalz und, so sagt man, lebendes Vorbild der bekannten Bronze-Plastik.

Im Prozess soll geklärt werden, ob die Neuffers ihre eigene Skulptur in Boltenhagen gestohlen und am Priwall-Strand wieder aufgestellt haben. Die Anwälte der Beklagten wollten gar nicht erst den Anklagesatz verlesen haben. Gleich zu Beginn musste der Staatsanwalt sich da anhören, dass die Anklage es ja nicht mal schaffe, die Personalien vollständig darzustellen. Weiter stünden nur sechs Sätze in der mehrseitigen Anklageschrift stünden überhaupt in Zusammenhang mit der Tag. Der Verkauf von Souvenirs etwa und wie viel Prozente da geben würde, hätte mit der Straftat nichts zu tun.

Das Gericht hielt die Sache mit den Personalien nicht für so wesentlich und die Darstellung der subjektiven Seite schon für erforderlich, wies den Antrag zurück.

Die Staatsanwaltschaft trug nun vor, was Markus Neuffer als Verkaufsmanager und seiner späteren Ehefrau als Inhaberin der Firma Nymphenworld zur Last gelegt wird. Im Jahr 2006 habe Neuffer Anzeige erstattet wegen des Diebstahls der Boltenhagener Nymphe im Wert von 20.000 Euro. Kathrin Nonnenmacher, später Neuffer, hätte sich wenige Wochen später über die bisherige Ermittlungsarbeit der Polizei beschwert. Die Staatsanwaltschaft wollte nun mit einem Gutachten nachweisen, dass die Figur, die am 21.4.2007 auf dem Priwall auftauchte dieselbe sei wie die als gestohlen gemeldete Bronzefrau. Zumindest »in wesentlichen Teilen«, nämlich Oberkörper und Kopf. Die beiden Angeklagten machten von ihrem Schweigerecht gebrauch, bestritten über ihre Anwälte aber die Tat.

Die Anwälte der Angeklagten verlasen zunächst eine schon früher abgegebene Eidesstattliche Versicherung von Kathrin Neuffer, die besagt, die Travemünder Nymphe sei aus den Original-Formen gefertigt. Weiter wurde der damals ermittelnde Polizeikommissar zitiert, der ins Online-Gästebuch der Firma Nymphenworld geschrieben hätte »Sich Recht zurechtzubiegen klappt nicht immer, außerdem sind nicht alle Ossis doof«. Der ermittelnde Beamte sei insofern befangen. Weiter wurde auf die Gemeinde Boltenhagen und deren damalige Bürgermeisterin verwiesen. Die Gemeinde hätte schon vor dem Diebstahl vorgehabt, ein eigenes Marketing-Objekt zu kreieren. Die Gemeinde hätte wohl eher ein Motiv gehabt als die Angeklagten.

Bewegung kam in die Sache, als die Verteidigung dann noch eine Stellungnahme der Firma Klein Bronzen (Eifel) vorlegte: Inhaber Heinz Klein habe persönlich an der Fertigung beider Skulpturen mitgewirkt. Auch Belege aus 2004 und 2007 lagen dem Schriftsatz bei. Der Richter wiederum fand es nun schade, dass diese Unterlagen erst jetzt vorgelegt wurden. Die Rechtsanwälte rechtfertigten das mit einer gewissen Eigendynamik, welche die Geschichte auch durch die Berichterstattung in der Presse bekommen hätte. Kritisiert wurde die Hausdurchsuchung bei den Angeklagten und die dreistündige Vernehmung. Die Neuffers, hieß es, wären dabei überhaupt nicht nach dem Herstellungsort der Figuren gefragt worden.

Der Staatsanwalt will noch überprüft haben, ob der Prägestempel der zweiten Figur (HN 07) möglicherweise manipuliert wurde. Am 23. November 2009 wird der Prozess in Grevesmühlen fortgesetzt, mit dem Bronze-Gießer als Zeugen. Bislang steht es 1:0 für die Nymphe. Es könnte eine kurze Verhandlung werden. TA


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