Travemünde 10.01.2010 | Der Sturm hat die ganze Nacht über angehalten, bläst – nunmehr leicht Richtung Ost gedreht – nach wie vor mit 9 Windstärken gegen die Küste. Größere Schäden sind bisher nicht erkennbar. Die Fahnenmasten im Bereich Strandpromenade/ Piratenspielplatz mussten von der Feuerwehr gesichtert werden. Ein Mast wurde abgebaut, ein anderer ist in der Nacht umgeknickt. Die Lotsen fahren derzeit nicht und die Priwallfähre hat den Betrieb bis auf Weiteres eingestellt. Die Wetterstationen an der Strandpromenade sind ausgefallen.


Der Polizeibericht Polizeidirektion Lübeck vom 10. Januar 2010 6:48 Uhr schreibt:« Seit Samstag beschäftigt ein Schneesturm über Lübeck und Ostholstein zahlreiche Einsatzkräfte. Die Situation wird als unverändert angespannt bezeichnet. In Ostholstein sind fast alle Nebenstraßen, wie Gemeinde- und Kreisstraßen unpassierbar. Lediglich die Autobahnen und Bundesstraßen werden in Minutenabständen geräumt. Trotzdem kommt es auch hier zu Behinderungen durch plötzlich auftretende Schneewehen.


Die Bundesstraße 501 bei Grömitz ist teilweise gesperrt, auch die Landestraße 309 bei Ratekau ist nicht mehr befahrbar. In Neustadt, Heiligenhafen und auch an anderen Badeorten tritt die Ostsee über die Ufer, bislang halten die Deiche. Bei Dahmeshöved droht ein Deich zu brechen, hier helfen zahlreiche Menschen und versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Auf der Insel Fehmarn geht fast nichts mehr, hier ist nur die E 47 befahrbar, alle Ortschaften sind mehr oder weniger sich selbst überlassen.

Auch in der Hansestadt Lübeck kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen. So hat die Priwallfähre ihren Betrieb bis auf weiteres komplett eingestellt. Von der Landseite aus Mecklenburg-Vorpommern ist der Priwall zurzeit auch nicht erreichbar, auf den Straßen befinden sich meterhohe Schneewehen, so dass der Priwall sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Kleine Ortschaften, wie Blankensee, Vorrade oder Wulfsdorf und auch unzählige Dörfer in Ostholstein sind auf dem Land- und Wasserwege nicht erreichbar. Der Pegelstand der Trave beträgt inzwischen 6.50 m in der Lübecker Altstadt, das Wasser ist längst über die Ufer getreten. Auch in Travemünde ist die Situation äußerst angespannt. Die Wellen der Ostsee peitschen gegen die steinerne Strandpromenade, reißen mit ungeheurer Wucht Ziegelsteine aus der Mauer, die dann unkontrolliert herumfliegen. Der Bereich ist größtenteils abgesperrt, für Schaulustige besteht akute Gefahr, von herumfliegenden Teilen verletzt zu werden.

Bislang sind trotzt der immens hohen Einsatzlage keine Verletzten zu beklagen. Allein in Ostholstein gingen heute Nach 253 Notrufe bei der Polizei ein. Räumdienste haben die ganze Nacht durchgearbeitet, ständig drohen Baugerüste umzuwehen oder Bäume abzuknicken.

Viele Menschen, die heute Morgen auf dem Weg zu Arbeit sind, stecken mit ihren Fahrzeugen in den meterhohen Schneewehen fest. Selbst Rettungskräfte können die verschneiten Gebiete nicht oder nur mit großer Zeitverzögerung erreichen. Die Polizei bitte die feststeckenden Autofahrer um Geduld.
Nochmals ein Hinweis: Alle Menschen in Lübeck und Ostholstein sollten das Autofahren, wenn es irgendwie geht, unbedingt vermeiden. Die Ortsdurchfahrten wirken oft trügerisch, beim Erreichen der »freien Fläche« steckt man nur wenige hundert Meter nach der Ortsgrenze in einer Schneewehe fest. Wann Entwarnung gegeben werden kann, steht noch nicht fest.« KEV/PM Polizeidirektion Lübeck
Fotos: Karl Erhard Vögele

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