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 WIRTSCHAFT

Aqua-Top: Jetzt spricht das Maritim

Geschäftsführung kritisiert Planungsfehler und »nicht haltbare Zusagen« von Senatoren und Politikern

Travemünde 13.01.2010 | Zwei Fragen hatte der Travemünder Ortsverbandsvorsitzende Klaus Petersen (CDU) am Montag im Wirtschaftsausschuss der Hansestadt Lübeck gestellt: Wann denn das Maritim unterschreibt und wann der Abriss des Aqua-Top erfolgt.

Das marode Spaßbad Aqua-Top liegt direkt neben dem Maritim-Gebäude. Foto: TA
Das marode Spaßbad Aqua-Top liegt direkt neben dem Maritim-Gebäude. Foto: TA

Wirtschaftsenator Wolfgang Halbedel soll daraufhin »ein bisschen« ausgerastet sein und hat »alle Schuld dem Maritim gegeben«, wie Klaus Petersen im Ortsrat am Dienstag berichtete.

Der Maritim-Gruppe gehört ein kleiner Anteil am Aqua-Top-Gebäude, sie hat deshalb ein Mitspracherecht beim Abriss des Gebäudes.

Die Lübecker Tageszeitung HL-live.de (direkter Artikellink unten) zitiert den Wirtschaftssenator dazu wie folgt: »Die Maritim Gesellschaft hatte uns vor Weihnachten mündlich die Abrissgenehmigung fürs benachbarte Aquatop zugesichert. Nur die Regelung der Feuerzufahrt stand aus. Jetzt behauptet Maritim plötzlich, man müsse die Eigentümergesellschaft der Privat-Appartements erst befragen.«

Das Aqua-Top von oben. Rechts im Bild die Rampe der Feuerwehrzufahrt. Foto: KARL Erhard Vögele
Das Aqua-Top von oben. Rechts im Bild die Rampe der Feuerwehrzufahrt. Foto: KARL Erhard Vögele

»Travemünde Aktuell« hat einmal nachgefragt bei der Geschäftsleitung der Maritim Hotelgesellschaft, und da liest sich die Sache schon wieder ganz anders: »Überraschenderweise war der KWL GmbH (die die Abrissarbeiten für die Hansestadt Lübeck durchführen soll) nicht klar, dass für die Zeit des Abrisses eine alternative Rettungszufahrt gewährleistet werden muss. Nachdem die Maritim Hotelgesellschaft mbH darauf hingewiesen hat, schlug die Stadt Mitte Dezember 2009 (!) schließlich vor, diese alternative Rettungszufahrt über die Dachfläche des Maritim Hallenbades zu führen«, heißt es in der Stellungnahme der Hotelgesellschaft. Das Dach gehört aber auch den Wohnungseigentümern im Gebäude, und die müssen nun eben gefragt werden. Das könne man nun ja nicht dem Maritim anlasten. Immerhin habe die Hotelgesellschaft den Abriss erst ermöglicht, indem sie die Stadt auf die Planungsfehler hingewiesen habe.

Um einen Ersatz der Feuerwehrzufahrt (rechts) geht es. Der soll über das Dach des Maritim-Schwimmbades gehen (rechts unten im Bild), das auch den Wohnungseigentümern gehört. Die müssen nun gefragt werden. Der Maritim Hotelgesellschaft zufolge hat die Stadt diesen Vorschlag erst im Dezember 2009 gemacht. Foto: KARL ERHARD VÖGELE
Um einen Ersatz der Feuerwehrzufahrt (rechts) geht es. Der soll über das Dach des Maritim-Schwimmbades gehen (rechts unten im Bild), das auch den Wohnungseigentümern gehört. Die müssen nun gefragt werden. Der Maritim Hotelgesellschaft zufolge hat die Stadt diesen Vorschlag erst im Dezember 2009 gemacht. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Zur in der Presse monierten »mündlichen Abrissgenehmigung« heißt es von der Hotelgesellschaft, die hätte in Zusammenhang gestanden »mit mündlichen Zusagen von Senatoren der Hansestadt Lübeck und Politikvertretern, die sich nach Prüfung durch die Fachabteilungen der Verwaltungsbehörden allesamt als nicht haltbar herausgestellt haben.«

Abschließend bemerkt die Geschäftsführung noch: »Im Übrigen mutet es schon merkwürdig an, wenn uns von Seiten der Politik über die Presse »zugerufen« wird, dass Eigentum verpflichte, die Hansestadt Lübeck aber als der Eigentümer des Aqua-Tops sein Eigentum seit vielen Jahren vergammeln lässt und vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt«.

Allgemein wird jetzt -wieder mal- davon ausgegangen, dass wohl im Herbst abgerissen werden kann. Das Aqua-Top würde dann den Sommer über ein noch trostloseres Bild als bisher schon abgeben: KWL und Schwimmbäder sind dabei, das Gebäude zu Ende Januar soweit wie möglich zu »entmieten«. Alle Geschäfte sollen raus. TA

Die Stellungnahme der Geschäftsleitung der Maritim Hotelgesellschaft mbH aus Bad Salzuflen im Wortlaut:

Obwohl die Hansestadt Lübeck nach eigenen Aussagen seit langer Zeit den Abriss des AquaTop durchführen möchte, sollte nach dem Wunsch der Hansestadt Lübeck im Zuge des geplanten AquaTop Abrisses auch eine Terrasse abgerissen werden, die als Zufahrt und Aufstellungsfläche des Hotel- und Residenzgebäudes für die Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge dienen. Überaschenderweise war der KWL GmbH (die die Abrissarbeiten für die Hansestadt Lübeck durchführen soll) nicht klar, dass für die Zeit des Abrisses eine alternative Rettungszufahrt gewährleistet werden muss. Nachdem die Maritim Hotelgesellschaft mbH darauf hingewiesen hat, schlug die Stadt Mitte Dezember 2009 (!) schließlich vor, diese alternative Rettungszufahrt über die Dachfläche des Maritim Hallenbades zu führen. Diese Dachfläche über den Maritim Hallenbad ist allerdings das gemeinschaftliche Eigentum der Eigentümergemeinschaft am Grundstück bestehend aus der Maritim Hotelgesellschaft mbH und 375 Residenz-Eigentümer und somit nicht in dem Besitz der Maritim Hotelgesellschaft mbH. Die Maritim Hotelgesellschaft mbH hat daher die Stadt wiederum darauf hingewiesen, dass diese Planung der Abstimmung mit der Eigentümergemeinschaft bedarf.

Da seitens der Hansestadt Lübeck nunmehr beklagt wird, dass sich die Abrissgenehmigung um mehrere Wochen verzögern würde, so können diese Verzögerungen doch wohl nicht der Maritim Hotelgesellschaft mbH angelastet werden. Vielmehr ist es so, dass nur auf Grund der Hinweise der Maritim Hotelgesellschaft mbH diese Planungsfehler erkannt wurden und man deswegen heute überhaupt in der Lage ist, ein ordnungsgemäßes Abrissverfahren einleiten zu können. Die Maritim Hotelgesellschaft mbH erlaubt sich auch darauf hinzuweisen, dass die von Seiten der Stadt in der Presse dargestellte mündliche Abrissgenehmigung der Maritim Hotelgesellschaft mbH im Zusammenhang stand mit mündlichen Zusagen von Senatoren der Hansestadt Lübeck und Politikvertretern, die sich nach Prüfung durch die Fachabteilungen der Verwaltungsbehörden allesamt als nicht haltbar herausgestellt haben.

Im Übrigen mutet es schon merkwürdig an, wenn uns von Seiten der Politik über die Presse »zugerufen« wird, dass Eigentum verpflichte, die Hansestadt Lübeck aber als der Eigentümer des AquaTops sein Eigentum seit vielen Jahren vergammeln lässt und vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt.

Hat schon Symbolwert: Die Wasserrutsche der Schwimmbadruine ist weithin zu sehen. Foto: TA
Hat schon Symbolwert: Die Wasserrutsche der Schwimmbadruine ist weithin zu sehen. Foto: TA

Externe Links zum Thema: »Aqua-Top: Ruine bleibt Travemünde erhalten« (HL-live.de vom 11.01.2010), »Vertrag geplatzt: Aqua Top wird nicht abgerissen« (LN-Online vom 11.01.2010), »Aqua Top bleibt stehen: Katastrophe für Travemünde« (LN-Online vom 13.01.2010).

www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=58176

www.ln-online.de/regional/2719044

www.ln-online.de/artikel/2719784/Aq ... ibt_stehen


 

 

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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 29.07.2010 um 16:32:06 Uhr.
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Kommentar von Hans Rehtanz am 15.01.2010:
Moin, moin. Wäre es nicht an der Zeit, dieser Farce ein Ende zu setzen?? Mitunter kommt es einem vor, dass es sich bei den beteiligten um eine Krabbelgruppe handelt, bei der jeder mit dem Schäufelchen des anderen spielen will. Wäre es nicht an der Zeit, den mündigen »Travemünder Bürger« zu einem Bürgerbegehren für den Abriss des Aqua Top und der anschliessenden Neugestaltung aufzurufen??? Oder soll die »Profilierungsmentalität« der beteiligten Parteien ewig so weiter gehen, natürlich auf Kosten der Travemünder?? Leider wird weiter nach der Devise: Non quia difficilia sunt, non audemus, sed quia non audemus, difficilia sunt! = Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig! (Seneca), gehandelt!!

Kommentar von Wilfried Walter am 15.01.2010:
D’accord, Herr Rehtanz! Ihr Kommentar passt aber besser unter den Artikel von CDU-Petersen (14.1.), der da mal wieder reflexartig auf die anderen zeigt, wohl vergessend, dass CDU-Kollege Halbedel eine nicht gerade rühmliche Rolle im Aqua Top-Theater spielt. Dieses Schwarze-Peter-Spiel zwischen den Parteien ist überflüssig und dient nicht dem Wohle der Bürger! Aber beratungsresistent wie Politiker in der Regel sind, bemerken sie ihre Profilneurosen als letzte.

Kommentar von Hans Rehtanz am 15.01.2010:
Moin, moin. Auslöser meines Kommentars war der von Ihnen, Hr. Walter, erwähnte Artikel. Da es sich dabei lediglich um eine Pressemitteilung, die in abgewandelter Form zu allen Geschehnissen/Nichtgeschehnissen in Travemünde, erscheint, fand ich dies nicht erwähnenswert. Es wäre vielleicht werbewirksamer, wenn sich die Herausgeber dieser Pressemitteilung in die Vorderreihe stellen würden, um Unterschriften für den Abriss dieses, seit Jahren herrschenden Schandflecks zu sammeln. Hoffentlich habe ich da keinen auf eine Idee gebracht...

 

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