Travemünde 19.02.2010 | Für viel Wirbel sorgt die Ankündigung der Lübeck- und Travemünde Marketing GmbH (LTM), dass die städtische Gesellschaft liquidiert werden muss, wenn ihr in geplantem Umfang die Gelder gekürzt werden (TA berichtete). Jetzt spricht Peter Sünnenwold, Ehrenvorsitzender der MIT (Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung), in fünf Statements zum Thema und den Auswirkungen für Travemünde und Lübeck:

Zur Aussage von Lübecks Tourismuschefin Andrea Gastager über einen »langsamen Tod« der städtischen Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) angesichts von geplanten Einsparungen:
»Das ist eine überspitzte Aussage der Geschäftsführung. Die Gesellschaft hätte aber bereits seit vier Jahren sparen müssen und jetzt nicht so überrascht tun. Der Sparbeschluss der Bürgerschaft ist fünf Jahre alt und hat die städtischen Gesellschaften gleichermaßen getroffen. Alle städtischen Gesellschaften haben den Betrag eingespart. Nur die LTM scheint geglaubt zu haben, für sie gelten die Einsparungen nicht. Wenn es ums Sparen geht, können Frau Gastager und der Aufsichtsrat von der MuK lernen, insbesondere auch im Personalbereich.«
Zur Übertragung von zusätzlichen Aufgaben an die LTM (Travemünder Veranstaltungen, Weihnachtsmarkt in Lübeck) bei gleichzeitiger Kürzung von Mitteln und ohne zusätzliches Personal:
»Nun muss ich aber lachen. Die LTM hat für den Weihnachtsmarkt die dreifachen Gebühren erhoben und hat den entsprechenden Etat von der Kurverwaltung Travemünde für Veranstaltungen bekommen. Das dürfte wohl reichen. Eigentlich sollten diese Einnahmen sogar die geforderten Einsparungen kompensieren. Mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie rund 15 Praktikanten im Jahr ist die LTM doch wohl gut besetzt.«
Zur Mittelreduzierung von 2.400.000 auf 2.100.000 Euro und den Auswirkungen für den Tourismusstandort Lübeck und Travemünde:
»Natürlich ist das ein harter Eingriff. Der Tourismus ist von riesiger Bedeutung für Lübeck und Travemünde. Jeder in die Werbung investierte Euro schafft Arbeitsplätze mit Standortgarantie, keine Frage würde ich auch lieber Aufstocken als zu kürzen, aber um es in eine erfolgreiche Werbung zu investieren. Man muss aber den gesamten Finanzeinsatz für die LTM berücksichtigen und nicht nur Beträge herausgreifen, die gerade ins Thema passen. Die LTM bekam 2009 den Zuschuss in Höhe von 2,4 Mio. aus Steuermitteln und hatte weit über 1 Mio. eigene Einnahmen, damit blieben Frau Gastager wenigstens 3.4 Mio. für Werbemaßnahmen zur Verfügung. Im Vergleich, dem Tourismusverband Schleswig Holstein stehen etwa die Hälfte an Mittel zur Verfügung. Die Rostock Sail wird lediglich mit 340.000,– € Steuergelder bezuschusst. Lübeck braucht selbstverständlich eine gute Werbung und dazu sollte der Etat in erster Linie eingesetzt werden. Events können fremd ver-geben werden, wenn man selbst nicht kostendeckend arbeitet. Da man nicht ganz ungeschickt ist, lässt sich so noch Geld verdienen.«
Zur Aussage, eine Reduzierung des Budgets in angegebenem Umfang führe dazu, dass die Gesellschaft nicht mehr handlungsfähig sei und ihren Zweck nicht mehr erfüllen könne, somit die Destination Lübeck-Travemünde nicht mehr im Wettbewerb präsent wäre:
»Das ist ein Klagen auf sehr hohem Niveau. Das Kerngeschäft der LTM ist die Werbung und nicht das Event-Geschäft, dafür bleibt genug Geld. Die Kurverwaltung hat mit 1,5 Personalstellen das an Events geleistet, wo zu die LTM das 3fache an Personal braucht. Wenn in Travemünde zum Beispiel das Tortenfest aus Kostengründen absagt wird, eine Travemünderin es aber vormacht, wie es geht, und dabei noch etwas für einen gemeinnützigen Zweck erwirtschaftet, sagt das doch etwas über die Leistungsfähigkeit der Event-Abteilung aus. Und das ist noch das kleinste Beispiel. Natürlich darf die LTM nicht handlungsunfähig werden. Der Tourismus ist die tragenden Säule unserer Wirtschaft, aber es muss auch nicht immer und in allem das Teuerste sein. Ich würde den Etat auch lieber auf- als abbauen, aber in diesen Zeiten wäre es dem Steuerzahler schwer vermittelbar.«
Zur Zukunft der Veranstaltungen in Travemünde:
»2009 wurde in Travemünde viel an Veranstaltungen gestrichen und wenig Neues gebracht. Die Veranstaltungen für 2010 sind von der LTM vorgestellt worden und ich habe bislang daran keine Kritik aus Travemünde vernommen. Einsparungen für Travemünde dürfte es keine geben, da der LTM das Geld für die Veranstaltungen aus dem Etat der Kurverwaltung übertragen wurde. Es bleibt also abzuwarten. Aber man sollte der LTM eine faire Chance geben. Es wäre schön, wenn die Travemünder und die Vereine, wie bisher von der Kurverwaltung auch von der LTM, mit in die Veranstaltungen einbezogen werden. Der Wunsch, die Veranstaltungen weg von der Kurverwaltung hin zur LTM zu geben, kam ja aus Travemünde um alles in einer Hand zu haben. Für mich nicht nachzuvollziehen, da Travemünde sonst so sehr auf seine Eigenständigkeit pocht und mit Recht, wie ich meine. Die Kurverwaltung ist dichter an den Kurgästen und hat ihre Events hervorragend gestaltet und ist mit wenig Geld und Personal ausgekommen, und das ohne ständig zu jammern.«
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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 03.02.2012 um 21:16 Uhr.
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