Travemünde/Buenos Aires 08.03.2010 | Den Höhepunkt des ersten Konzertabends erlebte der Passat Chor an Bord des argentinischen Segelschulschiffes »Libertat«. Tausende standen an der Pier und warteten schon seit Stunden auf den Auftritt der Deutschen. Oder sie schafften es, im Gedränge an Bord zu kommen. Sie lasen es in der Zeitung oder es sprach sich unter den deutschstämmigen Argentiniern herum.

Doch bevor es losging, waren unsere Gastgeber flink dabei, Mikrofone zu installieren. In der so noch verbleibenden Zeit zum Konzert galt es unsere mitgebrachten Fahnen des Passatchores und der Hansestadt Lübeck setzen zu lassen. Als die blauen Flaggen hoch oben in den Masten die Anwesenheit des Passatchores an Bord der Libertat signalisierten, sollte die Fahne mit dem lüb’schen Adler noch folgen. Doch der Decksmann der argentinischen Marine diagnostizierte ob des lüb’schen Adlers diese als eine polnische Flagge. Und die durfte nicht in die Wanten gesetzt werden. Es half alles Zureden nichts. Auch ein späterer Versuch der Deutung des Wappentiers einem Offizier gegenüber brachte keinen Erfolg.

Dessen unverdrossen verteilte Hartmut Haase etliche Flyer über Lübeck an die vielen Interessierten Gäste an Bord des Schiffes. Doch es blieb uns nicht verborgen, dass unter den Sealords etwas Nervosität an Bord herrschte, denn der Besuch der Argentinischen Verteidigungsministerin stand unmittelbar bevor und das noch genau zu der Zeit, als der Passat Chor seinen Auftritt hatte. Von einem sehr gespannten Verhältnis der linken Ministerin zum Militär war die Rede und auch von schmerzhaften Einsparungen und drohenden Entlassungen.

Nun denn, der Chor begann sein Konzert und eine knisternde Spannung drang bis zum Deck herauf. Der Chor sang und wuchs über sich selbst hinaus. Tosender Beifall übertönte den ziemlich mächtigen Lärmpegel des Hafens. Die Rufe »Zugabe, Zugabe, Zugabe« in akzentfreiem Deutsch hielten lange an, doch der Zeitplan drängte unerbittlich zum Ende und so konnten wir alle Fans die uns noch ansprachen nur noch auf die Konzerte der nächsten Tage vertrösten.

Das galt auch für die 50 Exemplare von Travemünde Aktuell, die wir für die Deutschen Vereine mitgebracht haben. Viele kannten Travemünde Aktuell aus dem Netz wie auch HL-Live. Man war also zeitnah über unsere Heimat informiert. Nach dem Konzert wurde der Chor in die Offiziersmesse zu einem kleinen Empfang gebeten.

Hartmut Haase vom Verein »Rettet die Passat« und Jens Schröter vom Passat Chor übergaben einen Wimpel und Lüb’sches Gold aus dem Hause Niederegger an den Vizekommondore des Schulschiffes. Der Chef selbst war noch protokollarisch mit der Verteidigungsministerin befasst und lies sich entschuldigen.

Alles in allem ein erfolgreicher Start der Konzertreise am Abend. Auf der Fahrt zum Konzert fand der argentinische Reiseleiter Worte diplomatischer Anteilnahme und meinte, wenn etwas schlecht beginnt, so habe es immer ein gutes Ende. Wie recht er hatte. Was war geschehen? Am Vormittag noch erkundeten einige Chormitglieder die nähere Umgebung und machten Bekanntschaft, wie schnelle Radfahrer und Jugendliche mit einem Griff eine Armbanduhr oder auch eine Kamera aus der Hand wegreissen können. Eine bittere Erfahrung. Doch wir nahmen es mit Humor. So wurde der Wanderpokal gestiftet für den Pechvogel des Tages und auf der Fahrt zum 2. Konzert an den am ärgsten Betroffenen verliehen. Dass die Kamera weg sei, wäre nicht ganz so schlimm, aber die schönen Bilder meinte er. Nun hätte er viel Zeit, sich die Sehenswürdigkeiten gleich vor Ort richtig anzusehen und nicht nur auf dem kleinen Display. Da ist was Wahres dran. Ich melde mich wieder. KEV



TA-Lesetipps zum Thema:
Reistetagebuch Teil 1: Passatchor startet verspätet zur Konzertreise nach Argentinien (05.03.2010)
Reisetagebuch Teil 2: Ein Betankungsventil hat die Sache ganz spannend gemacht (06.03.2010)
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