Travemünde/Buenos Aires 12.03.2010 | Der letzte dem Chor gehörenden Tag in Buenos Aires ohne musikalische Verpflichtungen galt einem Ausflug auf eine nahegelegene Ranch. Ganz wie Touristen fühlten sich die Sänger vom Bass bis zum Tenor einschließlich Combo.

Erst gab es etwas Regen, aber dann herrschte Kaiserwetter, würden wir zu Hause sagen, um so mehr, als uns der tägliche Blick ins Internet die eisigen Temperaturen an der Ostsee schaudern lässt angesichts der fast sommerlichen Hitze von 26 bis zum Teil 30 Grad.

Die Ranch bot Genuss für das Auge und den Gaumen. Für das Auge, weil die Ranch in eine wunderbare Parklandschaft eingebettet und von der Pferdekutsche bis zum Reiterspiel vieles rund ums Pferd zu sehen war, einschließlich dezenter Kaufmöglichkeiten von Lederwaren, Fellen und sonstigen handwerklichen Produkten des Landes. Für den Gaumen natürlich Fleisch so viel der Magen vertragen konnte.

An einer internationalen Tafel speisten hunderte von Touristen aus aller Herren Länder. Reichlich Wein und Bier wurde gereicht. Zwischendurch gab der Passat Chor kleine musikalische Einlagen, die vom überraschten Publikum mit viel Applaus belohnt wurden.

Nichts geht in Argentinien offenbar ohne Tango: nach dem Essen, sozusagen als musikalischer Nachtisch serviert, zeigte ein Paar was es heißt, mit einen feurigen Tanz das Publikum zu begeistern. Reiterspiele bildeten den Abschluss des Besuches auf der Ranch.

Ein Geburtstagsständchen galt unserem Fremdenführer Mario, der sich für so eine schöne Überraschung gerührt zeigte. Wieder im Bus holte uns der strenge Reiseplan wieder ein. Es galt am nächsten Morgen früh aufzustehen, Koffer zu packen und den Tag ausklingen zu lassen, denn es stand ein Flug ins südliche Bariloche ins Haus, 1.700 km südlich von Buenos Aires gelegen.

Dennoch war am Abend noch das eine oder andere kleine Bierchen drin. Auf die Kneipen um das Hotel herum verteilte sich der Passat Chor zum gemütlichen Umtrunk und Geplauder. Offenbar hat dieser wunderbare Ausflug die Phantasie einiger politischen Köpfe beflügelt, denn immer wieder kam das Gespräch auf die schönen Stoffservietten, die am eingedeckten Tisch selbst in den urigen Großstadtkneipen gehobene Esskultur signalisierten.

Das ist die gute Nachricht. Und die schlechte Nachricht lautet: der Gast musste hierfür einige Pesos löhnen. So kam die Idee auf, dass die überschuldete Hansestadt doch eine Serviettensteuer erheben könnte, an statt der Fremdenverkehrsabgabe oder sogar anstatt der Kultursteuer.

Also wir zahlten die Pesos für die schönen Servietten gerne. Aber ob sich diese Idee von Argentinien nach Deutschland so ohne Weiteres exportieren lässt – wir hatten dann doch Zweifel. So waren wir uns dann schließlich einig, dass die Serviettengebühr in Argentinien bleiben soll und in der lübschen Heimat der politische Streit über die Geldquelle Fremdenverkehr in die nächsten Runden gehen kann. Ich melde mich wieder. KEV

Alle Fotos: KARL ERHARD VÖGELE
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