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 WIRTSCHAFT

Umsatzkiller OstseeCard:

Gastronomiebetriebe auf dem Priwall leiden unter Wegfall der freien Fährnutzung für Urlauber und gestiegenen Fährpreisen

Travemünde 17.08.2010 | Seit Januar 2010 gilt die OstseeCard, Nachfolger der Kurkarte, nicht mehr als Fahrausweis für Urlauber, die zu Fuß oder mit dem Rad auf den Priwall wollen. Zum 1. Juli 2010 wurden dann noch die Fährpreise erhöht. Die Gastronomen auf der Halbinsel bekommen das jetzt zu spüren: Die OstseeCard, die eigentlich den Tourismus fördern soll, erweist sich für Unternehmer auf dem Priwall jetzt als Umsatz-Killer.

Seit 1. Januar ist es vorbei mit den Freifahrten auf OstseeCard. Und mit den Umsätzen auf dem Priwall. Foto: ARCHIV TA
Seit 1. Januar ist es vorbei mit den Freifahrten auf OstseeCard. Und mit den Umsätzen auf dem Priwall. Foto: ARCHIV TA

Keine Freifahrt mehr mit der Ostsee-Card, aber billiger geworden ist sie auch nicht: Die Gäste würden nicht verstehen, warum sie dasselbe bezahlen und weniger Leistung kriegen, meint Kellner Rainer vom Restaurant Pesel, das auf dem Priwall gleich gegenüber der Fähre liegt. Und die Jahreskarte, die von Einheimischen genutzt wird, kostet statt 65 Euro jetzt 125 Euro. »Die überlegen sich das natürlich auch«, sagt er.

In früheren Zeiten gab es zwar auch keine freie Fahrt mit der OstseeCard, aber da waren die Fährpreise längst nicht so hoch. Ein verhängnisvolles Zusammenspiel.

Am anderen Ende des Priwalls liegt der Priwall-Treff von Andrea Grube: »Die Ostsee-Card ist eine Katastrophe«, sagt sie. Besonders Radfahrer würden jetzt wesentlich seltener kommen.

Auch Gerd Schill vom Seglertreff im Passathafen merkt die Auswirkungen: Die Leute würden seltener auf den Priwall kommen. Es sei keine Frequenz mehr da an Urlaubern. Ein paar Meter weiter führen Silvia und Skender Semsi das Restaurant »Passat-Terrasse«. Als sie ein Angebot für ein Stück Kuchen plus eine Tasse Kaffee für 3,00 Euro hatten, hätten die Urlauber schon Scherze gemacht: »Das ist ja billiger als Fähre fahren«.

Grund des Ärgers um die Ostsee-Card sind die gescheiterten Verhandlungen zwischen Kurbetrieb und Stadtverkehr. Der Kurbetrieb Travemünde, bekannt für gutes Wirtschaften, hatte einen sehr guten 10-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Jährlich gingen 25.000 Euro an den Stadtverkehr, dafür konnten Inhaber der OstseeCard kostenlos zu Fuß und mit dem Rad die Priwall-Fähre nutzen und zahlten innerhalb Travemündes nur 50 Cent für eine Tour. Dann lief der Vertrag aus, und der Stadtverkehr legte nach, die Zahl wurde im Kurbetriebs-Ausschuss genannt: 170.000 Euro. Seitdem ist Schluss mit den kostenlosen Fährfahrten.

Die Diskussion um die Fährtarife beginnt nun von neuem. Wegen der OstseeCard gab es bereits eine Gesprächsrunde mit Touristikern, Vereinen, Verbänden und Stadtverkehr, für 2011 eine Lösung zu finden. Entschieden ist noch nichts. TA


 

 

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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 06.02.2012 um 21:25 Uhr.
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Kommentare:

 

Kommentar von W.Schrader am 17.08.2010:
Bravo – nun wacht man langsam auf!!! Man kann ja auch in Dassow beim Penny oder Norma einkaufen. Und zum Bummeln geht es dann mal eben nach Wismar. Es ist doch eine Schande, daß die Ostseekarte auf Fehmarn nur 1 Drittel kostet. Und dort wird dafür auch erheblich mehr geboten. Wenn ich auf der Travemünder Seite mit Frau und 2 Kindern angereist komme, um die Passat zu besichtigen, kommt eine Menge Geld zusammen wenn ich auch noch die Fährkosten dazu rechne. Dann kann ich mir doch gleich ein anders Ausflugziel suchen, wo ich für mein Geld mehr geboten bekomme! Aber ist es nicht ein allgemeines Problem: Zuerst raffen, dann aufwachen wenn alles zu spät ist, und die Touristen ausbleiben.

Kommentar von W.Schrader am 17.08.2010:
Dabei gibt es doch eine Möglichkeit: man zahlt zusätzlich etwa 20,00 € zur Ostseekarte und hat dann die Möglichkeit zu Fuß oder mit Fahrrad, wie in den letzten Jahren, die Fähre zu benutzen. Auf die Ostseekarte wird dementsprechend ein Stempel oder Aukleber aufgedruckt. Der Familie mit den 2 Kindern, welche die Passat besichtigen wollen, ist zwar nicht groß geholfen. Aber alle, die Im Passathafen ihren Liegeplatz haben, die Camper, Kanuten und alle die sonst regelmäßig die Fähre benutzen wären mit dieser Lösung wohl eher einverstanden als mit den jetzigen horrenden Preiserhöhungen.

Kommentar von Hans-Peter Smarzly am 18.08.2010:
Jetzt ist es soweit wie ich es im April/Mai 2010 schon im Leserbrief voraus gesagt hatte.Die Lokale sind die leidtragenden. Wir sind jedes Jahr ca.4-5 Wochen in Travemünde und seidem nicht mehr zum Priwall geradelt,bei 5 Pers.kann einer zB.schon bei Hein Mück sein Essen vom Fährgeld bezahlen. Wir sind gerne um den Priwall geradelt und haben dann dort gegessen,aber seit wir mit der Ostsee Card nicht mehr rüber kommen radeln wir um den Hemmelsdorfer See.

 

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