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 POLITIK

Wut auf Waterfront:

Uferpromenade am geplanten Hotel soll für Öffentlichkeit gesperrt werden – Publikum pfeift Projekt aus

Travemünde 05.09.2010 | Es waren die letzten drei Minuten der SPD-Veranstaltung, die letzte Frage, die aufgerufen wurde zum Thema »Priwall Waterfront« am vergangenen Freitag. »Frau Lorenzen, ich würde gerne von Ihnen wissen, ob drüben die Wasserfront, auch wenn das Hotel gebaut ist, dann zugänglich für die Öffentlichkeit ist«, fragte ein Gast aus dem Publikum.

»Dort ist es nicht zugänglich«: Annekatrin Lorenzen von der Lübecker Stadtplanung bestätigte, was auf den Plänen zu sehen ist: Ein Stück Uferpromenade an der Trave wird für Spaziergänger gesperrt. Foto: KARL ERHARD VÖGELE
»Dort ist es nicht zugänglich«: Annekatrin Lorenzen von der Lübecker Stadtplanung bestätigte, was auf den Plänen zu sehen ist: Ein Stück Uferpromenade an der Trave wird für Spaziergänger gesperrt. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Die Referentin der Stadtplanung rief die entsprechende Folie ihres Vortrages noch einmal auf. Der Fragesteller setzte nach: »Da fehlt der gelbe Strich am Wasser«, sagte er. Auf dem Plan war die öffentlich begehbare Uferpromenade farbig eingezeichnet. Ein Stück an der Trave entlang, auf dem Dreieck wo der Kanu-Verein seinen Sitz hat und an der Spitze eine Sitzbank steht. »Der fehlt, ja«, bestätigte Annekatrin Lorenzen und nickte.

Von links kann man wie gewohnt bis zur Spitze des Dreiecks gehen, rechts wird die Promenade für das Hotel ein stückweit gesperrt. Foto: KARL ERHARD VÖGELE
Von links kann man wie gewohnt bis zur Spitze des Dreiecks gehen, rechts wird die Promenade für das Hotel ein stückweit gesperrt. Foto: KARL ERHARD VÖGELE
Rundgang nicht mehr am Wasser lang: Links der weiterhin öffentlich zugänglich Weg, rechts der zukünftig gesperrte. Hinten befindet sich das Gelände des Kanu-Vereins. Foto: TA
Rundgang nicht mehr am Wasser lang: Links der weiterhin öffentlich zugänglich Weg, rechts der zukünftig gesperrte. Hinten befindet sich das Gelände des Kanu-Vereins. Foto: TA

Der Fragesteller vergewisserte sich: »Heißt das, da ist es nicht zugänglich?«. Lorenzen bestätigte noch mal: »Dort ist es nicht zugänglich.« Jetzt brach ein Sturm der Entrüstung los: »Das kann doch nicht angehen!«, rief der Fragesteller und aus dem Publikum waren laute »Buhhh!« und »Pfui!«-Rufe zu hören. Lorenzens weitere Erläuterungen gingen teilweise im Getöse unter. »Wir haben den Rundlauf. Wir haben hier den Umlauf und wir haben hier den Zugang zur Spitze«, zeigte sie mit ihrem Laserpointer auf dem Plan. »Das sind DDR-Verhältnisse«, fuhr eine Zwischenruferin in die Rede. »Wollen Sie eine Antwort oder wollen Sie streiten? Sie können gerne weiterschreien, dann antworte ich nicht«, konterte Lorenzen.

Das Wochenmagazin »SPIEGEL« berichtet gerade von einem See in Potsdam, um dessen Uferweg die Stadt gerade verzweifelt kämpft, damit er für Spaziergänger erhalten bleibt. In Lübeck geht die Stadtverwaltung offenbar andere Wege... Foto: TA
Das Wochenmagazin »SPIEGEL« berichtet gerade von einem See in Potsdam, um dessen Uferweg die Stadt gerade verzweifelt kämpft, damit er für Spaziergänger erhalten bleibt. In Lübeck geht die Stadtverwaltung offenbar andere Wege... Foto: TA
Die gelbe Markierung auf den Plänen der Hansestadt Lübeck zeigt die »Öffentliche Promenade«. Ein Stück an der Spitze mit bestem Blick auf die Trave und die Stadtseite fehlt. Foto: TA
Die gelbe Markierung auf den Plänen der Hansestadt Lübeck zeigt die »Öffentliche Promenade«. Ein Stück an der Spitze mit bestem Blick auf die Trave und die Stadtseite fehlt. Foto: TA

Das Publikum blieb weiter unruhig: »Das ist der schönste Rundgang den es gibt«, sagte einer. Lorenzen antwortete: »Sie können ihre Meinung sagen, ich hab ihnen eine Antwort gegeben.« Es sei ein Rundgang vorgesehen. Der würde an einer Stelle »abknicken«, dann sei man wieder am Wasser. »Sie haben uns das verschwiegen!«, warf ein anderer Zuhörer Annekatrin Lorenzen vor. »Ich habe Ihnen die Promenade vorgestellt, ich habe Ihnen das nicht verschwiegen«, wies sie das zurück.

Ein Blick vom Gelände des Kanusportvereins im Jahre 1958. Auch damals war der Weg am Wasser öffentlich zugänglich. Ansonsten hat sich viel geändert auf dem Priwall seitdem. Foto: PRIVAT
Ein Blick vom Gelände des Kanusportvereins im Jahre 1958. Auch damals war der Weg am Wasser öffentlich zugänglich. Ansonsten hat sich viel geändert auf dem Priwall seitdem. Foto: PRIVAT

Der SPD-Ortsverbandsvorsitzende Wolfgang Hovestädt als Gastgeber des Abends versuchte zu beschwichtigen: »Also ich glaube wir können jetzt die Wogen hochgehen lassen hier an der Ostsee, ich glaube nicht, dass wir da noch viel erreichen können«, sagte er und mahnte, man solle sachlich bleiben und zur Sachlichkeit zurückkehren.

Wolfgang Hovestädt (SPD) mahnte zur Sachlichkeit. Foto: KARL ERHARD VÖGELE
Wolfgang Hovestädt (SPD) mahnte zur Sachlichkeit. Foto: KARL ERHARD VÖGELE

Noch sei der Bebauungsplan ja noch gar nicht so weit, dass man darüber reden könne. Der Abend endete in einer Mischung aus Applaus und Buh-Rufen. TA


 

 

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Kommentare:

 

Kommentar von Ulrich Pluschkell am 06.09.2010:
Die Waterfront-Planung ist ja zwischenzeitlich stadtplanerisch wirklich gut. Und für Travemünde sicherlich auch sehr zum Vorteil. So hat es wohl auch – trotz einzelner Kritikpunkte – die große Mehrheit der Besucher der SPD-Veranstaltung gesehen. Aber: Privatisierung öffentlicher Uferzonen? Das geht gar nicht!!!

Kommentar von Eckhard Erdmann am 06.09.2010:
Da muss ich Herrn Pluschkell jetzt aber deutlich widersprechen: Weder ist die Planung gut – noch hat es die Mehrheit so gesehen. Und wenn Herr Pluschkell auch nur den Hauch einer Chance gewittert hätte, eine Mehrheit für das Projekt per Handzeichen zu bekommen – dann hätte er doch eine Abstimmung gefordert – so wie er es vorher im nicht öffentlichen Teil schon hat verlauten lassen. Nein; Herr Pluschkell, bitte nicht im nachhinein etwas umdeuten. Die Mehrheit an diesem Abend wollte das Projekt nicht: Vielleicht eine gute Gelegenheit des neuen Ortsvereinsvorstands sich ernsthaft mit dem geplanten Waterfront- Projekt zu beschäftigen, statt Lobesgesänge auf Herrn Hollesen anzustimmen. Notwendige Informationen kann er sich gerne von unserer Homepage herunterladen. Die BiP hat von Anfang an auf diesen, wie auf viele andere Schwachpunkte hingewiesen und wie Sie wissen hat die Verwaltung auf nichts reagiert. Der jetzige Entwurf entspricht fast dem, was die Verwaltung bereits 2008 erarbeitet hatte. Obwohl ich korrigiere mich: nicht die Verwaltung hat es erarbeitet sondern Herr Hollesen – ist ja Investorenplanung.

Kommentar von Karl Erhard Vögele am 06.09.2010:
Sehr geehrter Herr Pluschkell, ob alle jene, die an diesem Abend im Terminal anwesend waren, die repräsentative Meinung der Priwaller und Travemünder zum Waterfrontprojekt abgebildet haben, das lasse ich mal offen. Aber eines ist mir jedenfalls deutlich geworden: die Mehrzahl der Beiträge der BürgerInnen hat sich inhaltlich kritisch mit dem Waterfrontprojekt auseinandergesetzt und auch zum Ausdruck gebracht, dass es nicht willkommen ist. Noch was Herr Pluschkell: Was Herr Hollesen und die ihm zugetane Verwaltung bauen wollen, ist groß und gewaltig. Eines ist sicher, der Priwall wird dadurch für viele Jahrzehnte alleine durch die Baumassen unwiderruflich und unumkehrbar geprägt. Das Waterfrontprojekt ist ein in Beton gegossenes und in Stein gemauertes Geschäfts- und Finanzierungskonzept des Herrn Hollesen gesehen mit den Augen von heute. Wie lange wird es wirtschaftlich sinnvoll sein ? Bitte führen Sie sich vor Augen, dass derzeit die Feriendorfhäuschen von Herr Hollesen offenbar nicht absetzbar sind und dafür bereits ein neues Konzept der Studiohäuser konzipiert wurde, um sie am Markt besser unterzubringen; halten Sie sich vor Augen, Herr Pluschkell, wie schnell die Reederei Deilmann nach wenigen erfolgreichen Jahren auf die »MS Deutschland« geschrumpft und bereits mehrheitlich in anderen Händen ist und halten Sie sich vor Augen, dass derzeit niemand weiß, ob der Priwall zusätzliche 3000 Betten verkraften kann. Man wird es erst wissen, wenn sie da sind. Sind es zu viele, ist es zu spät. Daher sollte der Priwall schrittweise über längere Zeiträume mit mehreren kleineren Investoren und Familienbetrieben entwickelt werden, so dass Korrekturen in der Planung der Baumassen, im Konzept der Gebäude, der Anlage und Größe der Zimmer, im Baustil und in den Geschäfts- und Finanzierungskonzepten, in der Verkehrsführung usw. möglich sind und vor allem, dass man dann aufhören kann, wenn man weiß, jetzt reicht die Bettenzahl und jedes Mehr würde dem Kleinod Priwall schaden. Das Konzept der BIP ist der prinzipiell richtige, langfristige gesehene und nachhaltige Entwicklungsansatz. Verwaltung und Parteien sollten darüber mehr nachdenken und es als Alternative zu Waterfront weiterentwickeln. Wann Waterfront in trockenen Tüchern ist, ist noch nicht abzusehen. Es ist also noch Zeit. Wir brauchen mehr Betten und der kontinuierlichere Weg ist der bessere und möglicherweise zu Hollesen der sichere und schnellere Weg. Sinngemäß zu Gunsten einer kontinuierlichen Entwicklung äußerte sich auch der Wirtschaftssenator in der Sitzung mit dem Ortsrat letzten Mittwoch auf meine Frage, wieviele Betten man denn in Travemünde auf den derzeit zur Verfügung stehenden Flächen für Hotels und Ferienwohnungen bauen könnte. K.E.Vögele, für die FDP im Ortsrat Travemünde.

 

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