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 ORTSGESCHEHEN

Versprochen und gebrochen?

Stadt nimmt Zusage über rolli-gerechte Auffahrt zurück

Travemünde 12.04.2011 | Eine gute Nachricht erhielt Diplom-Ingenieur Wolfram Plewa am 23. November 2009: Die Auffahrt zu seiner Wohnung sollte behindertengerecht umgebaut werden. Was folgte, war einiger Schriftwechsel, aber kein Bautrupp. Fast ein Jahr später nahm die Stadt ihre Zusage zurück.

Barrierefrei? Im November 2009 sollte das Stück Kopfsteinpflaster genau vor der Zufahrt kurzfristig verschwinden. Es ist heute noch da. Fotos: TA
Barrierefrei? Im November 2009 sollte das Stück Kopfsteinpflaster genau vor der Zufahrt kurzfristig verschwinden. Es ist heute noch da. Fotos: TA
Travemünde Aktuell: Versprochen und gebrochen?

Wenn Diplom-Ingenieur Wolfram Plewa die Auffahrt zu dem Mehrfamilienhaus im Strandredder nimmt, verkanten die Räder seines Rollstuhls häufig. Man fährt »wie auf Eiern«, erklärt er. Das Problem sei das Kopfsteinpflaster mit den ausgewaschenen Fugen direkt vor der Auffahrt. Der Rest des Bürgersteigs hat einen ebenen Belag. Das führt dazu, dass auch viele Menschen mit Gehhilfe des Stelle meiden und auf die Straße ausweichen. Aus ähnlichem Grund wurde das Kopfsteinpflaster vor dem Fährkiosk »geschliffen« (TA berichtete).

Am 23. November 2009 schien der Ärger mit den wenigen Quadratmetern Kopfsteinpflaster ein Ende zu haben, die Stadt wollte das Hindernis beseitigen: »Nach erneuter haushaltsmäßiger Prüfung wird die Überfahrt nun kurzfristig verbessert beziehungsweise umgebaut. Der Beginn der Arbeiten ist natürlich witterungsabhängig«, hieß es in einer Email aus dem Fachbereich »Planen und Bauen«.

Doch nach der Sanierungszusage passierte nichts. Plewa fragte mehrfach nach, beschwerte sich. Am 8. November 2010 schrieb ihm dann Bausenator Franz-Peter Boden. Boden entschuldigte sich mit Arbeitsanfall und Personalknappheit in seinem Zuständigkeitsbereich für die späte Rückmeldung. »Die Ihnen gemachte Zusage des Bereiches Verkehr wurde intern zwischenzeitlich erneut geprüft. Als Ergebnis mussten wir nunmehr feststellen, dass für den Bereich Verkehr kein akuter Handlungsbedarf besteht«, nahm Boden die Zusage vom November 2009 zurück.

Travemünde Aktuell: Versprochen und gebrochen?
Travemünde Aktuell: Versprochen und gebrochen?

Nach Auffassung der Hansestadt Lübeck sei die Verkehrssicherheit und damit auch die Barrierefreiheit der Überfahrt gegeben.

Tatsächlich hatten sich wohl eine Menge Leute mit Plewas Auffahrt beschäftigt: Die Ansicht, dass die verkehrssicher und barrierefrei sei, werde auch vom Behindertenbeauftragten des Bereiches Verkehr der Hansestadt Lübeck mitgetragen. Weiterhin sei im Arbeiterkreis Behinderter Mitbürger Einvernehmen erzielt worden. »Ich gebe Ihnen allerdings Recht, dass der Benutzerkomfort für behinderte Mitbürger nicht mit einer neu hergestellten Überfahrt vergleichbar ist«, schrieb Senator Boden. Und versprach immerhin, der Bereich Verkehr werde die Überfahrt auch weiterhin »besonders beobachten«. »Bei einer Verschlechterung der örtlichen Situation werden wir im Rahmen der Straßenunterhaltung kurzfristig tätig werden«, schloss der Bausenator.

»Kurzfristig«, das hatte auch in der Email vom November 2009 gestanden. TA


 

 

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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 19.05.2012 um 06:11 Uhr.
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Kommentare:

 

Kommentar von Wolfram Plewa am 13.04.2011:
Einige Anmerkungen zu entsprechenden Beauftragten/Arbeitskreisen: Die Lübecker Bürgerschaft hat erstmalig ab dem 01.03.2011 der Bestellung eines Behindertenbeauftragten sowie einer Vertreterin für die Hansestadt Lübeck zugestimmt. Interne Behindertenbeauftragte (z. B. bei Behörden) sind rechtlich ausschließlich für die Belange der Behinderten Mitarbeiter/innen tätig (vergleichbar mit dem Betriebsrat). Interessant wäre in der Angelegenheit die Stellungnahme des »Arbeitskreises für Behinderte Mitbürger«; dies unabhängig von deren Kompetenzen.

Kommentar von Wolfram Plewa am 11.05.2011:
Bedauerlich, dass eine Stellungnahme des »Arbeitskreises Behinderter Mitbürger« ausgeblieben ist!

Kommentar von Rollstuhlfahrer am 17.05.2011:
Wann trägt die Diskussion der Lübecker Bundestagsabgeordneten im Rahmen der EU-Aktivitäten über Barrierefreiheit erste Früchte? Darüber hinaus ein aktuelles Strandproblem während der Promenadenrenovierung: Wie lange noch werden Rollstuhlfahrer weitgehend ausgegrenzt?

Kommentar von betroffene am 24.05.2011:
seit märz diesen jahres gibt es einen von der hansestadt lübeck bestellten behindertenbeauftragten? für welche zuständigkeiten?

Kommentar von Anwohner am 24.05.2011:
Ab Montag dieser Woche werden im Strandredder Asphaltierungsarbeiten durchgeführt. Wird die Ausfahrt ebenfalls ausgebessert?

Kommentar von Wolfram Plewa am 27.05.2011:
@ Rollstuhlfahrer, Kurbetrieb und Bauleitung haben ab Mitte nächster Woche barrierefreie Zugänge zum Strand während der Promenadensanierung zugesagt.

Kommentar von Rollstuhlfahrer am 01.06.2011:
Schön, dass es bezüglich der Barrierefreiheit immer wieder private Aktivitäten gibt. Vielleicht fühlen sich dadurch ja eigentliche Interessenvertretungen angeregt!

Kommentar von Wolfram Plewa am 05.06.2011:
Danke an die TA-Redaktion für die erfolgreiche Unterstützung.

Kommentar von Anwohner am 12.06.2011:
Nach Abschluss der Asphaltierungsarbeiten: Wann wird endlich der Straßenschutt Ecke Strandredder/Strandweg beseitigt?

Kommentar von Wolfram Plewa am 04.07.2011:
Ein Tipp für Strandkorbvermieter und andere Dienstleister: Als Transferhilfsmittel vom Rollstuhl u. a. in den Strandkorb bieten Hilfsmittelhersteller RUTSCHBRETTER (ca. 70 cm Länge u. 29 cm Breite) an.

Kommentar von Wolfram Plewa am 10.07.2011:
An die »Behindertenexperten": unterstützen Sie doch einmal die Aktion »Wasserrollstühle« (2 Rollstühle wurden vom Kurbetrieb beschafft)bei den Strandkorbvermietern. Es macht sicher auch Sinn, in den Medien weitere Themen zu begleiten.

Kommentar von Wolfram Plewa am 28.07.2011:
Wie gelangen eigentlich Rollstuhlfahrer auf der Traveseite während der Travemünder Woche an den Strand?

Kommentar von Wolfram Plewa am 24.09.2011:
Hat der von der Hansestadt Lübeck bestellte Behindertenbeauftragte in 2012 erstmalig Aktionen für Travemünde vor?

Kommentar von Wolfram Plewa am 19.10.2011:
Wie würden die Bürgermeisterkandidaten denn künftig die Behindertenbeauftragten/-organisationen fordern und fördern?

 

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10.00-11.00 Uhr: Große See- und Hafenrundfahrt

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