Travemünde 08.10.2007 | »Wir hätten noch 30 Jahre weiterfahren können«, sagt Hannelore Tuchtenhagen vom Hochseeangelschiff »Peter II«. Aber in 9 Jahren gehen die Tuchtenhagens in Rente, und die beiden Töchter wollen das Angelschiff vom Priwall nicht übernehmen.

Da fiel die Entscheidung, »mit einem lachenden und einem weinenden Auge«, wie man so sagt, als die Gelegenheit Günstig war: Peter Tuchtenhagen bekam ein Jobangebot auf der Priwall-Fähre, wo er ab 1. Dezember anfängt. Und für das Angelschiff war ein Käufer da. Die »Peter II« wird ab 31. Oktober von Wismar aus in See stechen. Für Freunde des Angelsports heißt es Abschied nehmen.

Die Geschichte der »Peter II«: Es fing 1958 an und endet 2007. Fischermeister Karl Tuchtenhagen und Richard Rot zählten zu den ersten, die mit Hochseeangeln anfingen. Karl Tuchtenhagen mit dem Fischkutter Peter »Tra18« und Richard Rot mit der »Fischwaid« und der »Hai«. Mit dem Hochseeangeln verdiente sich Karl T. ein Zubrot zum normalen Fischeralltag, an den Wochenenden ist man mit Gästen zum Angeln auf See gefahren. In den 60er Jahren wurde dann nur noch Hochseeangeln betrieben. 1967 fing Peter Tuchtenhagen als Decksjunge an zu arbeiten. 1972 wurde dann die »Peter I« gekauft, ein ehemaliges Schnellboot aus dem 2. Weltkrieg. 1977 dann die heutige »Peter II«. Jetzt wurde eine GBR gegründet, ab nun war Peter Tuchtenhagen Mitbesitzer.
Dann die große Umstellung: Butterfahrten täglich und am Wochenende Hochseeangeln. Im Jahre 1985 kam das Aus für die Butterfahrten und Karl Tuchtenhagen stieg aus dem Betrieb aus. Peter Tuchtenhagen übernahm den Betrieb allein und seine Frau unterstützte ihn tatkräftig. Ab jetzt hieß es kämpfen, es war eine schwere Zeit, es musste ein neuer Anglerstamm für jeden Tag aufgebaut werden, aber es hat geklappt, 27 Jahre lang. »Wie es nun mal so ist, der Zahn der Zeit nagt an jedem und irgendwann ist man müde und mag nicht mehr kämpfen, ob mit Behörden, der neuen EU Richtlinie oder den Droschen, die mal da sind und mal nicht«, schreiben Peter und Hannelore Tuchtenhagen. »Wir haben uns entschlossen, die Peter II zu verkaufen und es ruhiger angehen zu lassen. Wir danken allen Gästen für ihre jahrelange Treue« Text: Peter und Hannelore Tuchtenhagen/RED

27 Jahre sind Peter und Hannelore Tuchtenhagen mit Anglern auf die Ostsee gefahren. Ein schönes Miteinander sei das gewesen, sagt Hannelore Tuchtenhagen. »Besonders die Rentnerband, die jedem Mittwoch kam, das wird mir wehtun.«

Jeden Tag fuhr das Angelschiff raus, machte meist pünktlich um 15.00 Uhr wieder am Priwall fest. 5 Seemeilen darf das Schiff hinaus, weiter nicht, EU-Richtlinie. Fangverbote gibt es zum glück noch nicht. Angler sind Angler und keine Fischer. Immerhin.

Größter Fisch in 27 Jahren war ein 48 Pfund schwerer Dorsch. In den letzten Tagen waren es eher kleinere Fische, die anbissen.

Bei Hildegard und Heinz Ast aus Berlin waren es gestern 4 Dorsche, 6 Wittlinge und eine schöne Makrele (40 Zentimeter). Die beiden fahren seit 24 Jahren mit der »Peter II«, bedauern, dass bald Schluss ist: »Es war alles so gemütlich, wie eine Familienfahrt«, sagen sie. Die beiden wissen, worauf man achten muss: Früh da sein, um einen guten Platz zu bekommen am Bug oder am Heck: »Da kann man rechts und links angeln, je nachdem wie die Drift ist«. An der Seite geht das nicht.

Noch auf dem Schiff haben Hildegard und Heinz immer die Dorsche zerlegt, als Filets mit nach Berlin genommen.

Viele Angler der »Peter II« werden bald nicht mehr nach Travemünde kommen, gehen mit dem Schiff nach Wismar oder weichen nach Fehmarn und Heiligenhafen aus.

Hildegard und Heinz Ast wollen Travemünde treu bleiben. »Im Frühjahr können wir ja auf Hering angeln«. HN
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Letzter Zugriff auf diesen Artikel am 07.02.2012 um 14:12 Uhr.
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Kommentar von K.-H.Liebmann am 03.11.2011:
Ja, auch ich bedaure, dass das umgebaute Topedofangboot Peter II nicht mehr in Travemünde ist. Ich habe miterlebt, wie es in der Schlichtingwerft ausgebaut und Hochseetauglich gemacht wurde und bei der Gelegenheit die damals 16 jährige Tochter, genannt Nicky, kennengelernt! In meinem Urlaub, damals bei der Marine bin ich täglich mit rausgefahren um zu Kochen, Angeln und sogar die unverzollten Waren zu verkaufen. Die Peter II gehörte zum Hafen, wie die Passat und Familie Tuchtenhagen war auch über die Landesgrenzen bekannt. Für die zukunft alles, alles Gute!! Die besten Grüße aus Berlin an Petipup und Familie von Kallikack! PS.: Ganz besonders grüße ich Nicky!!





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