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 VERANSTALTUNGEN

Die Grenze

Rund 100 Zuhörer lauschten vielseitigem Vortrag im Gesellschaftshaus

Travemünde 04.02.2010 | Genau 20 Jahre, nachdem die Grenze auf dem Priwallstrand (TA berichtete) geöffnet wurde, gab es einen Vortrag zum Thema im Travemünder Gesellschaftshaus. Rolf Fechner, Rudolf Roll und Peter Stöckling erzählten vor rund 100 interessierten Zuhörern, wie es jahrzehntelang zuging auf dem Priwall, als dort noch die Grenze zur DDR war.

Bei den Witterungsverhältnissen hatten die Veranstalter mit so einem Ansturm auf den Vortrag gar nicht gerechnet. Foto: TA
Bei den Witterungsverhältnissen hatten die Veranstalter mit so einem Ansturm auf den Vortrag gar nicht gerechnet. Foto: TA

Den rund zweistündigen Vortragsnachmittag begann Rolf Fechner, der von den Anfängen erzählte. Als die Grenze noch recht durchlässig war, nach beiden Seiten. Wobei es damals noch nicht um Flucht ging, sondern eher ums Schmuggeln.

Die Referenten: Rudolf Roll, Peter Stöckling und Rolf Fechner. Foto: TA
Die Referenten: Rudolf Roll, Peter Stöckling und Rolf Fechner. Foto: TA

Später versuchten rund 5.000 Flüchtling über die Ostsee die DDR zu verlassen, davon 10 Prozent erfolgreich. Fechner empfahl dazu das Buch »Flucht über die Ostsee« von Bodo Müller, das spektakuläre Fluchtgeschichten schildert.

Zu DDR-Zeiten war die Benutzung der Priwall-Fähre kostenlos. Nach der Grenzöffnung wurden Fährgebühren eingeführt. Rolf Fechner zeigte ein Foto eines frühen Fährpreis-Protest-Plakates, schon damals wurde gereimt: »Priwall 1995. Im Osten die Grenze gelichtet, im Westen den Fährzoll errichtet«. Foto: TA
Zu DDR-Zeiten war die Benutzung der Priwall-Fähre kostenlos. Nach der Grenzöffnung wurden Fährgebühren eingeführt. Rolf Fechner zeigte ein Foto eines frühen Fährpreis-Protest-Plakates, schon damals wurde gereimt: »Priwall 1995. Im Osten die Grenze gelichtet, im Westen den Fährzoll errichtet«. Foto: TA

Natürlich gibt es neben der tragischen Seite der Geschichte auch zahlreiche Anekdoten von der Grenze auf dem Priwall: Die bekannteste ist wohl, dass der Posten auf dem Priwall bei DDR-Grenzern der begehrteste war, weil seit 1975 auf der Westdeutschen Seite der FFK-Strand war. Und man ja immer mal wieder mit dem Fernglas gucken musste, ob der Klassenfeind nicht gerade dabei war, den Sozialismus zu unterwandern...

Hatte die Technik locker im Griff: Jörg Fouquet (rechts). Foto: TA
Hatte die Technik locker im Griff: Jörg Fouquet (rechts). Foto: TA

Rudolf Roll zeigte dann einen selbstgedrehten Film von der Grenzöffnung auf dem Priwall am 3. Februar 1990. Besonders die Bilder von den Menschenströmen, die von beiden Seiten aufeinander zugingen und sich schließlich am Strand trafen, beeindruckten.

Rudolf Roll war mit der Videokamera dabei, als vor 20 Jahren die Grenze auf dem Priwall geöffnet wurde. Foto: TA
Rudolf Roll war mit der Videokamera dabei, als vor 20 Jahren die Grenze auf dem Priwall geöffnet wurde. Foto: TA

Auch Roll hatte eine Anekdote beizusteuern: Als er nach der Grenzöffnung mit Bekannten in Pötenitz in den Mai feiern wollte, musste er ja über die Grenze. Das Postenhäuschen war aber nur bis 23:00 Uhr besetzt. Die Gruppe erklärte dem Posten, dass man das bis dahin nicht zurückschaffen werde. »Mir egal, ich bin bis 23 Uhr da«, antwortete der Posten. »Und danach?«, fragte die Gruppe. »Und danach? Dann ist keiner da.«, antwortet der Posten. Man konnte dann ganz normal durchgehen. »Typisch Deutsch«, kommentierte einer aus dem Publikum.

Peter Stöckling berichtete vom kleinen Grenzverkehr. Foto: TA
Peter Stöckling berichtete vom kleinen Grenzverkehr. Foto: TA

Am Ende erzählte Peter Stöckling dann noch vom kleinen Grenzverkehr, von den Formularen, die auszufüllen waren, und vom Pflichtumtausch; erst 15, später 25 Mark. Und von der zweiten, viel einfacheren Möglichkeit, in die DDR einzureisen: Mit dem Bus oder der früheren »Baltic Star«, einfach nur mit Reisepass. TA

Rund 100 Zuhörer besuchten den Vortrag im Gesellschaftshaus. Foto: TA
Rund 100 Zuhörer besuchten den Vortrag im Gesellschaftshaus. Foto: TA


 

 

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